Herzchakra von 2022

Zum Bild „Herzchakra“

aktuell, gemälde

Willkommensrede zur Ausstellung „Räume zum Nachdenken“ am 04.04.2025

Verehrte Damen und Herren, liebe Gäste! Mein Name ist Andreas Ott, ich bin ein unbekannter Hobby-Künstler, wir schreiben das Jahr 2025 und wir befinden uns in Deutschland. Gestern ist etwas passiert, was ich vor dem Hintergrund dieser Gegebenheiten nicht erwartet hätte: eines meiner Bilder wurde nicht zur Ausstellung zugelassen. Zuviel nackte Haut für’s Rathaus und so habe ich es halt wieder abhängen müssen. Aber für alle die, die jetzt neugierig sind: hier ist es! (Bildenthüllung, empörtes Geraune im Publikum)

Ich bin ja sonst kein Freund von Bildinterpretationen, finde eher, die Kunst soll für sich selbst sprechen. L’art pour l’art. Auch weil jeder Mensch sowieso die Welt in eigenen Bildern wahrnimmt. Aber in dem Falle ist vielleicht eine Ausnahme angebracht. Wir sehen zwei Frauen, eine ältere hält von hinten eine jüngere. Vielleicht ist sie ihre Mutter, vielleicht eine Mentorin. Sie hält ihre Hand auf Herzenshöhe der jüngeren Frau. Im Hintergrund ein sechseckiger Stern, der hier aber kein jüdisches Symbol ist, sondern für das Herzchakra in der indischen Chakren-Lehre steht. Das Herzchakra steht für Liebe, Mitgefühl und Heilung. Ja, die Frauen sind nackt, aber Nacktheit kann für mich als Verletzlichkeit oder auch Echtheit und Essenz stehen. Die Buddhisten sprechen von nacktem Gewahrsein und meinen einen Zustand, in dem alle Erlebnisse frei von Beurteilung und Konzepten sind.

Dass gerade dieses Bild nicht in ein Rathaus passt, hat vielleicht damit zu tun, dass es in diesen Hallen eher um Paragraphen, Verordnungen und Wahrung des Scheins als um Liebe, Mitgefühl und Echtheit. Eine Entwicklung, die mich neben der allgemein wiederkehrenden, fast viktorianischen Sprödheit nachdenklich stimmt.

Ich habe meine Bilder, bereits bevor dieses eine wegzensiert wurde, unter den Titel „Räume zum Nachdenken“ gestellt. Weil ich mit meinen Bildern manchmal mit Witz, manchmal mit Provokation oder einfach über die Stimmung zum Nachdenken anregen möchte. Trotz der eben genannten Einschränkung Danke an das Rathaus Achim, uns diese Räume zum Nachdenken zur Verfügung zu stellen. Danke auch an Petra Yvonne Muther, die mich zu dieser Ausstellung eingeladen hat. Und danke natürlich auch Ihnen für Ihr Erscheinen und Ihr Interesse.

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